Sanierung und Umbau Zehntenscheune

Die mächtige Zehntenscheune geht in ihren Ursprüngen bis in die Zeit um 1600 zurück und gehörte bis 1841 dem Kloster Wettingen. Während im Ökonomieteil Scheune und Stallungen für die Zehntenabgaben untergebracht waren, wohnte der Zehntenvogt im angebauten Wohnhaus, dem Vorgängerbau des «Alten Bären». Nach der Aufhebung des Klosters wurde die Zehntenscheune zusammen mit der Krone an eine Privatperson verkauft und kam später in den Besitz der Stadt Dietikon.

Grosser Veranstaltungssaal im Obergeschoss
Grosser Veranstaltungssaal im Obergeschoss (Foto: Federico Farinatti)

Eine Nutzung mit grösstmöglicher Vielfalt

Bereits vor 50 Jahren wurde die Zehntenscheune als Kultur- und Veranstaltungsraum genutzt. Vor einigen Jahren wurde das Thema der kulturellen Nutzung wieder aufgegriffen, stand das Gebäude doch über längere Zeit leer. Mit dem im Jahr 2016 gefällten Entscheid des Stadtrates, die Entwicklung der historischen Gebäudegruppe rund um die Taverne zur Krone neu auszurichten, ging schliesslich auch die Definition der künftigen Nutzung der Zehntenscheune als öffentlicher Veranstaltungsraum einher. Das am 7. März 2016 durch den Stadtrat verabschiedete Konzept «Kulturraum» sieht drei Leuchttürme der städtischen Kultur vor. Die Zehntenscheune wird darin als «Haus der Bevölkerung» erwähnt.

Am 7. März 2025 konnte die Zentenscheune feierlich eröffnet werden. Tags darauf stand sie am 8. März der Bevölkerung und Interessierten zur freien Besichtigung im Rahmen des Tags der offenen Türe zur Verfügung. Seither wird die Scheune über das digitale Buchungssystem rege gebucht und benutzt.

Zusammen mit dem künftig neu gestalteten Aussenraum belebt sie das historische Zentrum. Der früher wirtschaftlich genutzte Aussenraum hinter der Scheune wird dazu neu als öffentlich zugänglicher Aufenthaltsraum uminterpretiert.

Rückwärtiger Gartenbereich
Rückwärtiger Gartenbereich soll 2027 neu gestaltet werden (Foto: Federico Farinatti)

Heute bietet das historische Juwel Platz für rund 120 Personen im Saal des Obergeschosses. Das mächtige Dach, welches im Rahmen der Sanierung energetisch, statisch und in Bezug auf Schallschutz ertüchtigt wurde, prägt den Veranstaltungssaal und verleiht diesem eine Festlichkeit, ohne den Scheunencharakter zu verleugnen. Ein grosser Bogen umspannt die Galerie im Dachgeschoss, welche den Blick auf den Saal aus dem Dachstuhl erlaubt. Der Saal eignet sich für unterschiedliche Nutzungen wie Theater, Bankette, Tanzveranstaltungen oder Ausstellungen. Die Möblierung und Bühnenelemente sind variabel nutzbar.

Veranstaltungssaal
Flexible Nutzung des Veranstaltungssaals (Foto: Federico Farinatti)

Projektwettbewerb und Siegerprojekt Kronjuwel

Basierend auf dem Kulturraumkonzept hat der Stadtrat 2017 einen Projektwettbewerb mit Präqualifikation öffentlich ausgeschrieben. Das Siegerprojekt Kronjuwel des Basler Architekturbüros Buol & Zünd Architekten BSA überzeugte die Jury "[…] durch die sorgfältige Lösung von Einzelaspekten, ohne dabei den Blick fürs Ganze aus den Augen zu verlieren. Ein äusserst sorgfältiger und dennoch pragmatischer Umgang mit der gestellten Aufgabe und dem wertvollen Denkmalobjekt zeichnet das Projekt aus.[…]"

Eingangsfassade mit historischen Scheunentor und Anlieferung
Eingangsfassade mit historischen Scheunentor und Anlieferung (Foto: Federico Farinatti)

Das charakteristische Tenntor vis-à-vis der Taverne «Zur Krone» konnte erhalten werden und stellt heute den Hauptzugang zur Scheune dar. Das in den 1970er-Jahren eingefügte Garagentor wurde durch ein attraktives neues Bauelement ersetzt, welches gekonnt die Anlieferung von Veranstaltungsutensilien und Lebensmitteln aufnimmt.

Eingangsbereich und Bar mit historischer Bohlenwand
Eingangsbereich und Bar mit historischer Bohlenwand (Foto: Federico Farinatti)

Im Eingangsbereich mit grosszügigem Foyer, Ticketschalter und der zugehörigen Bar wird ein weiterer Zeitzeuge, eine alte Holzbohlenwand, inszeniert. Der freigelegte zweite Tennbogen lässt den Blick in den ehemaligen Wirtschaftshof hinter dem Gebäude schweifen.

Archäologische Befunde 

Im Rahmen der Bauarbeiten zur neuen Bodenplatte in der Zehntenscheune entdeckte die Kantonsarchäologie Zürich im Januar 2023 Überreste älterer Gebäudestrukturen. Aus diesem Grunde begannen die Archäologinnen und Archäologen mit sogenannten Rettungsgrabungen und stiessen dabei auf Spuren einer grossen Vorgängerscheune aus dem Spätmittelalter. Es konnten verschiedene Räume dokumentiert werden, die durch Holzwände auf Sockelmauern unterteilt waren. So lag im Tenn – dem Ort, wo das Korn gedrescht wurde – ein mächtiger Lehmboden, während im Futtergang des Stalls Reste eines Holzbodens vorhanden waren. Nebst diversen mittelalterlichen Funden wie Ofenkacheln, Töpfen oder Nägeln kamen auch einige Münzen zum Vorschein. Eine davon wurde vermutlich als Bauopfer unter dem Balken einer Holzwand platziert. Bei den Ausgrabungen stiessen die Archäologinnen und Archäologen auch immer wieder auf römische Ziegel, aufgrund der Nähe zum römischen Gutshof ist dies aber nicht weiter verwunderlich. Unterhalb der Lehmböden der Vorgängerscheune fanden sie zudem mehrere Gruben aus womöglich römischer oder frühmittelalterlicher Zeit, die von einer früheren Nutzung des Geländes zeugen.

Archäologische Grabung 2023 im Innern der Zehntenscheune
Archäologische Grabung 2023 im Innern der Zehntenscheune (Foto: Benjamin Hofer)

Architektur       Buol & Zünd Architekten, Basel

Bauleitung        Righetti partner group AG, Zürich

 

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