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«50 Jahre Stadtrecht» gefeiert

28. November 2019
Vor 50 Jahren haben die Stimmberechtigten an der Urne entschieden, dass Dietikon sich künftig «Stadt» nennen darf. Der Stadtrat feierte dieses Ereignis auf den Tag genau und lud dazu viel Politprominenz ein. Musikalisch umrahmte die Musikschule Dietikon den Anlass mit Daniela Jordi-Körte (Klarinette)und Elisabeth Kolar (Klavier).

Stadtpräsident Roger Bachmann eröffnete den Jubiläumsanlass im festlich geschmückten Gemeinderatssaal vor rund 70 geladenen Behördenvertreterinnen und -vertretern mit einem kurzen Rückblick und einer Standortbestimmung.
Er erinnerte daran, dass am 25. September 1969 der Grosse Gemeinderat, das Dietiker Parlament, beschossen hatte, die Stimmbürgerinnen und -bürger über die Stadtnennung entscheiden zu lassen. Die Stadtregierung war dagegen und die kantonale Aufsichtsbehörde liess verlauten, dass es nicht wünschenswert sei, wenn andere Orte als Zürich und Winterthur sich als Städte bezeichnen würden. Am 30. November 1969 entschied das Volk mit 1'135 Stimmen – mit nur 124 Stimmen mehr als der Nein-Anteil – Dietikon in der Gemeindeordnung künftig als Stadt zu bezeichnen.
Nach diesem Exkurs in die Vergangenheit skizzierte der Stadtpräsident die Stadt von heute. Äusserst lebenswert und vielseitig sei sie. Dietikon ist heute die fünftgrösste Stadt im Kanton. Sie hat über 27'000 Einwohnende aus verschiedenen Nationen, über 100 Ortsvereine, 1'700 Firmen mit insgesamt 17'000 Arbeitsplätzen. 25 Prozent der Fläche besteht aus Wald, es gibt Naturschutzgebiete von nationaler Bedeutung und Flüsse und Weiher laden zum Verweilen oder Sporttreiben ein. Kulturell ist Dietikon vielseitig aufgestellt und sehr aktiv. Es gibt in Dietikon auch Traditionsanlässe wie das Niklausschwinget oder den Samichlausumzug. Die Stadt hat sogar eigene Trychler und Geiselchlöpfer.

Regierungsratspräsidentin Carmen Walker Späh überbrachte eine Grussbotschaft des Kantons.
Vor 50 Jahren habe die Dietiker Stimmbevölkerung beschlossen, eine Stadt zu werden, mit einem knappen Entscheid. Knapp sei auch der Volksentscheid über den Bezirk Dietikon sowie über die Limmattalbahn ausgefallen. Diese Vorbehalte erklärte die Volkswirtschaftsdirektorin damit, dass Neues immer auch Unsicherheit schafft und Ängste schürt. Sie sei aber überzeugt, dass – genauso wie man heute über das Stadtrecht und die Loslösung vom Bezirk Zürich froh sei – auch die Limmattalbahn auf die Region positive Auswirkungen habe.
Dietikon sei als Wohn- und Arbeitsort beliebt und auch die Wirtschaft kenne die Vorzüge der Stadt schon lange. Sie verweist u.a. auf die in Dietikon hergestellten Luxemburgerli von Sprüngli, die «Zältli» der Firma Hunziker und auf das Dietiker Schuhgeschäft Tiefenbacher. Die Tatsache, dass die älteste Familien-AG im Kanton, die Pestalozzi & Co AG, aus Dietikon stamme, freute die Volkswirtschaftsdirektorin ganz besonders. 

Regierungsrätin Jacqueline Fehr, Direktorin der Justiz und des Innern, überbrachte in ihrer Funktion als Zuständige für die Beziehungen zu den Gemeinden eine Grussbotschaft unter dem Titel «Vom Mut, sich Gehör zu verschaffen».
Die Entscheidung, Dietikon als Stadt zu bezeichnen, zeuge vom Mut des damaligen Stimmvolkes und sei aus demokratiepolitischer Sicht ein bedeutsamer Entwicklungsschritt – auch mit symbolischem Wert – gewesen. Dietikon habe den Anspruch gehabt, seiner Bevölkerung ein lebenswertes Zuhause zu bieten und nicht bloss ein Überlaufbecken von Zürich zu sein. Das ging damals am besten als Stadt mit professionellen und innovativen Verwaltungsstrukturen wie beispielsweise einem vollamtlichen Stadtpräsidenten. Mit diesem Schritt habe sich Dietikon auch gleich in die Liga der Grossen wie Zürich und Winterthur eingereiht. Den mit der Stadtwerdung und dem Urbanen verbundenen diffusen Ängsten sei man mit Mut entgegengetreten. Auf diese Weise sei das Selbstverständnis als Städterinnen und Städter von Generation zu Generation gewachsen. Fehr schloss ihre Rede, indem sie der Bevölkerung auch in Zukunft Selbstbewusstsein wünschte. Dietikerinnen und Dietiker seien Einwohnende einer lebenswerten und zukunftsgerichteten Stadt.

Als letzte Rednerin trat die Historikerin Verena Rothenbühler auf. Sie legte Dietikons Entwicklung von Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute dar. Dabei brachte sie viel Wissenswertes und Überraschendes zur Sprache. Beispielsweise zeigte sie auf, dass der Aufschwung ums Jahr 1900 auf einer Fake-News beruhte. Man nahm nämlich an, dass die damalige Nordostbahn plante, ihre Reparaturwerkstätte nach Dietikon zu verlegen. Schliesslich kam sie nach Altstetten, aber der Ausbau Dietikons war lanciert. Die zweite grosse Wachstumsphase setzte in Dietikon nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Innerhalb von drei Jahrzehnten stieg die Bevölkerung von 7'000 auf 22'000 Personen an. Rein statistisch wurde Dietikon Anfang März 1955 eine Stadt, mit dem 10'000sten Dietiker Peter Gerber. In den 1950er- und 1960er-Jahren verbreitete sich die Überzeugung, dass Dietikon städtisch werden soll. Politisch drängte sich eine Revision der Gemeindeordnung mit Einführung eines Gemeindeparlamentes auf. Die bisherige Gemeindeversammlung wurde durchschnittlich von nur vier Prozent bzw. 110 Männern besucht. Die kürzeste Gemeindeversammlung dauerte drei Minuten und zählte 49 Männer. Am 15. Dezember 1957 stimmte die Bevölkerung einer neuen Gemeindeordnung zu. Mit ihrer Totalrevision im Jahr 1969 tauchte schliesslich die Frage nach der Bezeichnung Dietikons auf. Am 30. November fiel die Entscheidung zur Stadtnennung. (ganzer Vortrag als pdf)

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